Journal

27. September 2017

Interview – Ehrenamt in Sukhavati

Handeln und Arbeiten als spirituelle Praxis: Ein Gespräch mit Oliver Peters, der in Sukhavati das ehrenamtliche Engagement koordiniert und betreut.


Du lebst und arbeitest seit einigen Monaten in Sukhavati. Was hat Dich nach Bad Saarow geführt?

Der Wunsch, in diesem Modellprojekt eine erweiterte Kultur der Lebens-, Krisen- und Sterbebegleitung zu verwirklichen. Und ein gemeinschaftliches Wohnen, das seine Inspiration aus der Spiritualität zieht.
Ich praktiziere und studiere seit fast 30 Jahren den tibetischen Buddhismus und bin geprägt vom "Tibetischen Buch vom Leben und vom Sterben". Dementsprechend ist es mir eine Herzensangelegenheit, Menschen ein friedliches und würdevolles Sterben zu ermöglichen, unabhängig von ihrer Religion, ihrem Glauben oder ihrer Weltanschauung.
In der Vergangenheit habe ich als Seminarleiter gearbeitet, als Berater und als spiritueller Lebens- und Sterbebegleiter. Immer wieder stand ich Menschen beim Sterben zur Seite.
Außerdem habe ich in Wiesbaden ein tibetisch-buddhistisches Zentrum mitaufgebaut.

Wofür bist Du nun hier zuständig?
Zum einen koordiniere ich das ehrenamtliche Engagement in Sukhavati, ich kümmere mich also darum, dass Interessierte einen Platz finden, der zu ihnen und ihren Fähigkeiten passt. Während ihrer Zeit bei uns betreue und begleite ich sie dann auch. Zum anderen arbeite ich in der Pflege, wo ich kranke und sterbende Menschen unterstütze und mich bemühe, einen Raum für die spirituelle Dimension des Menschseins zu öffnen.

Welches Verständnis von Ehrenamt liegt dem zugrunde?
Lass mich dafür den buddhistischen Gelehrten Shantideva zitieren: Was immer es an Freude gibt auf der Welt, alles entsteht aus dem Wunsch nach dem Wohl der Anderen. Was immer es an Leiden gibt auf der Welt, alles entsteht aus dem Wunsch nach dem eigenen Wohl.
Handeln und Arbeiten werden in Sukhavati als spirituelle Praxis verstanden. Ehrenamtliches Tätigsein bei uns bietet die Gelegenheit, sich in die Vision und die Notwendigkeit alltäglicher Aufgaben in Sukhavati einzufühlen und zu helfen. Es ist auch eine Chance, an den eigenen Gewohnheiten zu arbeiten und die persönliche Komfortzone durchlässiger zu machen.

Was erwartet diejenigen, die zum Ehrenamt kommen?
Wir sind ein Modellprojekt, in dem unterschiedliche Menschen in den verschiedensten Bereichen arbeiten und wohnen. Hier lebt eine spirituell praktizierende Gemeinschaft, hier leben Menschen, die Pflege benötigen, Menschen die für eine längere oder kürzere Zeit zur Auszeit in Sukhavati sind und sich an diesem besonderen Platz am Scharmützelsee innerlich sammeln, zur Ruhe kommen und ihre Mitte finden. Wir bieten jeden Tag gemeinsame Meditationspraxis an. Es gibt ein Bistro mit vegetarischem Mittagstisch und ein Team, das sich dem Menschen und seinen Bedürfnissen und Aufgaben verpflichtet fühlt.

Was konkret wird gebraucht?
Das ist ein weites Feld, wir haben viel zu bieten. Willkommen sind zum Beispiel pflegerische Fähigkeiten oder handwerkliche Qualitäten im Haus und im Garten. Das Bistro kann Unterstützung beim Kochen oder im Service gebrauchen. Menschen mit IT-Erfahrung helfen uns sehr, Menschen, die souverän mit Word, Excel und ähnlichen Programmen umgehen können. Organisatorisches oder fotographisches Talent ist immer gefragt. Dann gibt es den wertvollen Bereich der Alltagsbegleitung: Arztbesuche, Einkäufe, Spaziergänge, Vorlesen, gemeinsames Musizieren und so weiter. Besuch von Kulturveranstaltungen, gemeinsames Spielen, Backen, Kochen, Marmelade einmachen, all solche Dinge. Und schließlich begrüßen wir so spezielle Qualifikationen wie Biographiearbeit, Meditation und Kontemplation im Sinne der Spirituellen Fürsorge.

Welche Haltung wünschst Du Dir?
Offenheit, Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Flexibilität sind ganz besonders wichtig. Außerdem ein Bewusstsein für Kooperation und Kommunikation. Und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und zu denken, mit Jung und Alt, mit kranken und gesunden Menschen zusammenarbeiten.

Was müssen Interessenten tun, was ist der erste Schritt?
Sie schicken uns eine schriftliche Bewerbung, in der sie ihre Motivation formulieren. Warum wollen sie in Sukhavati ehrenamtlich tätig sein. Was sind ihre Vorstellungen, Bedürfnisse, Erwartungen und Wünsche. Welchen Qualitäten und Fähigkeiten können sie einbringen. Im nächsten Schritt sehen wir uns die Bewerbung an und melden uns.

Interview Detlef Eberhard

Weitere Informationen zum Ehrenamt in Sukhavati und Kontakt hier


Mit Oliver Peters wurde Sukhavati gleich um zwei Persönlichkeiten bereichert, denn mit ihm kam sein Hund Rocky - hier bei einer Besprechung des Pflegeteams. (Fotos: privat, Anne Smith)