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6. 02. 2023

Ein himmlischer Name für ein irdisches Projekt.

Wir haben ein Gespräch mit einer buddhistisch-praktizierende Bewohnerin in Sukhavati geführt und wollen Euch einen Einblick geben....

Wir haben ein Gespräch mit einer buddhistisch-praktizierende Bewohnerin in Sukhavati geführt und wollen Euch einen Einblick geben in Ihren Gedanken zum Thema Sukhavati und Sterben.

Was sind deine Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen, als Buddhistin, in dem buddhistisch inspirierten Modellprojekt Sukhavati zu wohnen und zu leben?

„Ich wohne seit Frühjahr 2016 (seit über 6 Jahren) in Sukhavati und im Laufe dieser Zeit habe sich meine Wünsche geändert.

Ich glaube, die meisten Menschen möchten im Alter nicht alleine leben. Durch die Rückmeldungen zu mir und „Reibungen“ im gemeinschaftlichen Zusammenleben, möchte ich an meiner Persönlichkeit, z. B. meiner Geduld, arbeiten. Das ganze Haus kommt mir wie ein Dorf vor.

Man kennt und hilft sich untereinander, die Atmosphäre ist von Wohlwollen getragen. Ich kenne alle im Haus und weiß, wenn ich einmal Pflege benötige, in welche Hände ich komme.

Wir sind in der Gemeinschaft aneinander interessiert und begegnen uns mit Verständnis, Wohlwollen und Respekt. Bei kleineren Krankheiten helfen wir uns oder begleiten einander bei schwierigen Arztbesuchen.

Gestern habe ich das Wort „Heilungsbiotop“ gehört. Sukhavati erlebe ich als „Heilungsbiotop“. Ich bin für jeden Schritt der Heilung dankbar. „Heilungsbiotop“ ist ähnlich wie diese Vision von einem Dorf. Es ist ein kleines Biotop; wie ein Nest. Das tut gut.“

Was wünschst du dir als Buddhistin in der Sterbebegleitung?

„Ich sehe oft bei Sterbenden, wenn ich sie begleite, dass sie manchmal weg schlummern. Dann denke ich mir, die sinnen nach und arbeiten innerlich. Dann bin ich einfach still an der Seite, meditiere oder bete still für denjenigen und seine Zugehörigen. Das wünsche ich mir auch für meinen Sterbeprozess.

Wir haben in unserem buddhistischen Schreinraum einen Ordner, wo wir u.a. Praxiswünsche, wichtige Telefonnummern etc. hinterlegt haben. Wenn es nötig ist, schauen wir dort nach. Dadurch, dass ich in Sukhavati lebe, wo das Thema Krankheit und Tod präsent ist, habe ich Verfügungen erstellt, Wohnungsschlüssel hinterlegt etc., obwohl ich solchen Formalitäten gern aus dem Weg gehe.

Manchmal bin ich niedergeschlagen oder unzufrieden mit mir, was im Sterben auch sein könnte. Dann wünsche ich mir, dass Menschen aus der Gemeinschaft mich erinnern, was ich in meinem Leben und hier gut gemacht habe. Für Buddhisten ist der geistig-emotionale Zustand im Moment des Todes wichtig.

Ich möchte nicht den ganzen Tag jemand an meiner Bettkante Gebete sprechen hören. Das würde mich ablenken. Natürlich ist es schön, wenn einmal am Tag Praxis für mich gemacht wird. Aber ich habe auch ein Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein für innere Arbeit.

Wenn ich nicht in dem Raum sterbe, in dem ich jetzt lebe, möchte ich aus dem Fenster schauen können, eine Mala (buddhistischer "Rosenkranz") in der Hand haben und in meinem Blickfeld einen Buddha. Solche Details stehen auch in dem Ordner, für den Fall, dass ich nicht mehr sprechen kann.

Und nachdem ich meine Körper verlassen habe, möchte ich in unserem Buddha Amitabha Schreinraum für 3 Tage aufgebahrt werden. Dann können Freund:innen, Menschen aus dem Haus oder aus meinem Chor noch von mir Abschied nehmen und danach den Sarg bis zum Bestattungswagen begleiten. Wenn ich plötzlich versterben sollte, erleichtert das z. B. meiner Tochter mit ihrer Familie herzukommen und von mir Abschied zu nehmen. Vielleicht ist das für meine beiden Enkel das erste Mal, dass sie eine Leiche sehen. Ich finde das wichtig.

Als ich ca. 12 Jahre alt war und meine Oma verstorben und in der Kirche aufgebahrt war, hat das einen tiefen Eindruck in mir hinterlassen. Ich glaube, der Anblick des aufgebahrten Körpers hilft den Zugehörigen, zu begreifen, dass derjenige wirklich gegangen ist und dass der Tod real ist.

Was in den 3 Tagen innerlich in mir passiert, kann ich nicht sagen. Wir wissen viel zu wenig über den Tod. Ich habe zwar, durch das tibetische Totenbuch Kenntnisse über den Abbau des Körpers und die verschiedenen Sterbephasen, doch so richtig vorstellen kann ich mir das nicht. Ich vertraue einfach darauf, dass schon alles gut werden wird.“

Welche Frage würde ich mir selbst stellen?

Im nächsten Jahr werde ich 80 Jahre, doch stelle ich mir die Frage: „Wie kann ich mich auf einen plötzlichen Tod, z.B. bei einem Verkehrsunfall, vorbereiten?“, dass ich dann nicht denke „oh Mist …!“, sondern Buddha anrufe oder ein Gebet denke. Christen würden dann wohl Jesus Christus oder Maria anrufen. In Schockzuständen sage ich, durch meine Sozialisation, schnell: „Oh Gott!“ Lieber würde ich dann ein Mantra sagen oder still Buddha um Hilfe bitten. Möge ich mich dann daran erinnern.“

In der tibetisch-buddhistischen Sichtweise wird empfohlen für einen Verstorben die sogenannte Phowa Praxis auszuführen, was die Gemeinschaft in essenzieller Form praktiziert.

Nachdem jemand verstorben ist, sollte der Körper 3 Tage gar nicht oder nur sehr wenig berührt werden, damit der Praktizierende, in seiner Meditation und dem Loslassen seines Körpers und des Weltlichen nicht gestört wird.

49 Tage wird für ihn gebetet, um ihm spirituelle Unterstützung in den sogenannten Bardos (Zwischenzustände) zu geben.

Das tibetische Totenbuch (aus dem 8. Jahrhundert) ist für tibetisch-buddhistisch Praktizierende eine wichtige Grundlage im Leben und Sterben.

In ihm wird beschrieben, welche Phasen das Bewusstsein vor und nach dem Sterben durchläuft, wie wir uns auf den Tod und danach vorbereiten können und welche Geisteshaltung bei der "Reise" durch die Bardos (Zwischenzustände) unterstützend ist.

Vielen Dank, dass du Deine Gedanken mit uns geteilt hast.